Offener Brief

Alltag einer Freilernfamily

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Liebe …, grad komme ich vom Vorlesen: “Die Abenteuer des starken Wanja,von Otfried Preußler. Noah ist dabei neben mir auf der Hängematte eingeschlafen. Ein herrlicher Blütenduft durchzieht die Luft. Ein blauviolett blühender Baum in 15 Meter Entfernung verströmt den süßlichen Duft auch hier durch das Fenster des Wohnwagens. Der Vollmond leuchtet über dem Meer und die Grillen zirpen in der nächtlichen Stille. Sara liegt neben mir und liest mit der Taschenlampe. So endet grad unser Tag….

Gott sei Dank sind wir bisher von größeren Krankheiten verschont geblieben, obwohl wir uns hier nicht gerade biomäßig ernähren können. Die liebe Sonne macht viel wett. Vielleicht auch das Meerwasser. Und für die Kinder ist es eine stressfrei Zeit: Kein Früh-raus-müssen, kaum Fahrerei, bis auf die zwei Kilometer Fahrt zum Meer und Einteilung des Tages nach ihrem Ermessen und Bedürfnis. Anita und ich haben einige Mehrverpflichtungen, die wir uns zum großen Teil selbst auferlegen bzw. uns selbst dafür entschieden haben. Anita schreibt an ihrem E-Book von ihren Erfahrungen über ihre natürlichen Fehlgeburten. Ich arbeite täglich viel im Internet an unserer Webseite, die nun bald fertig ist.

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So nutzen wir meist die Nachtstunden, wenn alle schlafen. Am Tag arbeite ich zwei Stunden für E. im Garten. Im Moment sind die Brunnenbauarbeiten dran. Vor drei Wochen wurde hier neben “unserem” Wohnwagen ein 120 Meter tiefer Brunnen gebohrt. Für unsere Kinder ein besonderes Ereignis. Noah (6) und Salomé (3) saßen oft an den zwei Tagen ganz in der Nähe auf der Wiese und schauten den Männern zu. Der alte Brunnen brachte kaum noch Wasser zu Tage. Irgendwo in der Tiefe bekam das alte Brunnenrohr durch Erdverschiebungen einen Knick.

Auch die Kinder erlebten, wie existenziell Wasser ist.

Nur manchmal lief das Wasser am Tag. So mussten wir über Monate sparsam damit umgehen. Nun fließt es wieder und auch die Bäume bekommen genug. Ca. 40 Meter Gräben mussten per Hand geschachtet werden. Heute bin ich mit dem Verfüllen der Gräben fast fertig geworden. Für unsere Kinder ist es interessant, diese Arbeiten hautnah und zu jederzeit mit erleben zu können. Emmi (15) und Noah halfen auch bei Belieben mit. Jetzt mal legte Noah mit dem elektrischen Bohrhammer los und lockerte den steinigen Boden sehr geschickt. Ich schaufelte hinterher den Graben aus. Wieviele Kinder können und dürfen das in unserer sicherheitsbedachten Zeit selbst miterleben, selbst mit tun?

Direkt miterleben konnten wir alle, wie der Brunnenbauer vor der Bohrung auf dem Grundstück mit einem einfach gebogenen Ast (Wünschelrute) herumlief und nach der Wasserader suchte. Er fand eine, der Ast schlug deutlich sichtbar nach oben aus. Einige Male kontrollierte er dies und dann legte er die Stelle fest, wo gebohrt werden musste. Nach 46 Meter Bohrtiefe floss das Wasser.

Hier kehren nun auch sommerliche Temperaturen ein. Es ist sehr trocken. Seit Wochen hat es nicht mehr geregnet. Einmal hatten wir auch schon 39 °C im Schatten.

Im Moment ist es wieder „kühler“, also am Tag nur noch um die 26 °C. Vor der Sonne schützen wir uns, besonders in der Mittagszeit. Es ist schon eine Seltenheit, dass sich mal eine Wolke vor die Sonne schiebt. Wir nutzen das Meer meist ab 17 Uhr, dann ist es auch gut am Strand auszuhalten.

Mit Lumia Selfie aufgenommen

Heute waren Anita, Salomé, Noah und ich dort. Noah schwamm auf seinem Schwimmbrett mit mir das erste Mal bis zur Boje, 300 Meter vom Strand entfernt. Uns trieb es bei ruhigem Meer ziemlich ab. Aber wir erreichten unser Ziel und kamen glücklich wieder zurück.

 

 

Probleme in Freie Schulen?

Du schicktest mir einen Zeitungsartikel: “Wo Kinder selbstständig lernen” von der Grundschule Muldental. Ist ja schon ein großer Schritt nach vorn, wenn die Kinder am Morgen sagen können, was sie im Laufe des Tages tun wollen. Ich schaue hier natürlich genau hin und frage: Was ist, wenn ein Kind am Morgen eben nicht weiß, was  es tun will? Vielleicht hat es einfach das Bedürfnis, zuzuschauen, zu träumen, sich draußen zu bewegen, zu klettern, im Sand zu spielen… Oder eben einfach SEIN zu können?

Meist ist es in Freien Schulen so: Die Erwachsenen/ Lehrer/ Begleiter geben sich locker und partnerschaftlich, haben aber im Hinterkopf die Erwartung, dass das Kind ja doch etwas tun, bzw. lernen muss. Kinder, besonders die Jungen, die nicht angepassten, spüren diese Diskrepanz sehr schnell (in dem Bericht werden auch nur drei Mädchen beschrieben, die ein Lernspiel machen).

Kinder spüren, ob sie zum  O b j e k t  gemacht werden, oder  S u b j e k t  sein dürfen.

Objekte sind sie dann, wenn Erwartungen von den Erwachsenen gestellt werden, versteckt und manipulativ, (wie an vielen freien Schulen), oder direkt, mit Druck, Bewertungen, Angst, Drohungen, (üblich an staatlichen Schulen).

Kinder reagieren darauf mit drei Strategien:

  1.  Anpassung (alles brav tun und sagen, was der Lehrer von ihnen erwartet, meist die Mädchen)
  1.  Aggression oft bei Jungen, ein sich wehren, Aggression gegen Mitschüler, genannt auch Mobbing, Ablehnung der Lehrerin des Erwachsenen, Toben, Unruhe, Konzentrationsschwäche, Aufmerksamkeitsstörung, ADHS,  ADS oder richten ihre Aggressionen gegen sich selbst und sagen dann: ich bin zu blöde, ich kann das nicht, ich bin selbst schuld dran…

 

Übrigens ADHS ist eine vom Erfinder fabrizierte Krankheit, die es nicht gibt siehe ZDF Journal mit Gerald Hüther https://youtu.be/Bt383i2kig0

Ritalin wird daraufhin verschrieben der größte Anteil an Jungen.

1993 wurden 34 kg Ritalin in Deutschland verschrieben

2011 waren es schon 1793 kg.

Ein Riesengeschäft für die Pharmaindustrie, Eltern sind beruhigt, Lehrer zufrieden. Es schreit zum Himmel! Was wird mit unseren Kindern gemacht?

  1.  Depression (Kinder verziehen sich, sprechen nicht mehr, igeln sich ein, werden krank…)

Kinder wollen Menschen sein?

Kinder wollen als  S u b j e k t e  gesehen werden, selbstständig sein, frei sein, selbst entscheiden, was sie tun oder eben nicht tun wollen, eigenverantwortlich handeln, etwas Sinnvolles, etwas Echtes tun, womit sie wirklich etwas in der Welt bewirken können. Sie brauchen uns Eltern, Erwachsene, zu denen sie eine echte unvoreingenommene Beziehung aufbauen können – auf Augenhöhe!

Es ist leider so, dass dies alles ab dem Kleinkindalter nicht zugelassen wird, weil wir Erwachsenen es in unserer Kindheit schon nicht konnten/ durften. Wenn man diese oben genannten Qualitäten dann erst in der Grundschule möglich machen will oder einführen will,so meine Erfahrung als ehemaliger Lehrer, ziehen wir Erwachsenen meist den Schluss, dass diese Freiheit nicht möglich ist, man doch die Kinder lenken und ihnen Lernstoff vorgeben müsse…

Hilfeschreie bei Schulproblemen

Nun ja, ich verfolge auf Facebook und Co. die aktuellen Diskussionen um die Probleme in den Schulen  in verschiedenen Gruppen, z.B. “Hilfe bei Schulproblemen…”.

Interessant, dass die grundlegenden Probleme seit Jahrzehnten immer wieder die gleichen sind: Mobbing, vor allem in den Grundschulen, Angst, Druck, Versagen, Unverständnis von den Lehrern den Schülern gegenüber, Schulunlust…

Warum ändert sich an den meisten Schulen nichts, obwohl es 4-5 (vielleicht auch ein paar mehr) Schulen in Deutschland gibt, die es vormachen?

Hängt es an den alten Erziehungsmuster vieler Lehrer und Rektoren, in denen sie  Sicherheit haben und nicht davon loslassen können?

Neue Wege für ein friedvolles Miteinander

Nun, das nur mal alles in Kürze angedacht. Vielleicht können wir jungen Eltern mehr Mut machen, neue Wege mit ihren Kindern zu gehen damit sie  den lebenstötenden Strukturen nicht mehr ausgesetzt werden, dh.,  Eigenverantwortung wahrzunehmen, unseren Kindern Möglichkeiten zu schaffen, in denen sie eine liebevolle, achtsame, friedliche Kultur des Miteinander einüben können, denn sie werden die Gestalter der Zukunft unseres Planeten werden!

Liebe Grüße, Christian.

2 Kommentare

  • Ich praktiziere mit meinem Kind die „Schule als Vorbereitung auf ein Leben mit bedingungslosem Grundeinkommen“ – der nötige „Hammelsprung“, dass man durch hingehen oder nichthingehen zeigen kann, ob (eine bestimmte Art von Schule oder Schule allgemein) für einen was ist, fehlt leider völlig!
    Außer man nimmt sich hier und da einfach seine (Grund)rechte und nimmt Konflikte in Kauf oder „kauft sich frei“…

    Ich finde gut, wie Ihr das hier schreibt und wie Ihr das mit Euren Kindern umsetzt – Eure Kinder scheinen das ja gut anzunehmen und ich hoffe Ihr habt keine Probleme mit den Ämtern. Doch wirklich ärgerlich, dass man das nicht auch in Deutschland praktizieren kann – frewillig gehen Kinder ja auch in Kurse wie zu, Sport oder zur Musik – warum nicht die ganze Schule in sowas umwandeln und die Betreuungsangebote ausbauen, die die Eltern entlasten, ihnen aber auch möglichkeit geben, sich für ihre und anderer Leute Kinder zu engagieren? Ich sehe kleine Fortschritte an manchen SChulen egal ob frei oder „verpflichtend“… und die Projekte werden immer gern angenommen (nur fehlt oft das Geld, weil die Pflicht schon so viel kostet).

    Die Schulpflicht – ursprünglich mal als Entlastung der Betreuung für Eltern gedacht, als Bildungsangebot, um auch bildungs“fernen“ Kindern Wege in „höherqualifizierte Berufe“ zu ermöglichen, ist pervertiert zur Massenverwahrung, die sich in Gehorsam üben soll – die internen Machtkämpfe und Hackordnungen täuschen die Kids darüber hinweg, dass es darum geht sie gefügig zu machen – egal ob sie zu den „Leistungsstarken“ sich entwickeln oder zu den sog. „Versagern“.

    Sie sollen immer im Kampfmodus sein gegen ihre eigene NAtur (oder auch gegen den „inneren Schweinehund“) und das hinterlässt Traumatisierungen.

    Das Fatale ist, dass „unsere Gesellschaft“ effektiv mit solch traumatisierten Menschen arbeiten kann – oder mit solchen, die das Glück hatten, sich (mittels Leistung oder Beliebtheit) durchzumogeln.
    Das „freie Kind“ oder der „freie Erwachsene“, der sich dem Sinn einer Aufgabe verschreibt, sich eigenbewusst in die Welt stellt, ist hinderlicher als „der versagende, der als Kunde oder Klient verwertet werden kann“ für die Arbeitslosenindustrie.

    Natürlich empfindet diese Gesellschaft da ein „nicht fachlich beruflich verwertbares Kind“ schon vorausschauend vor der Pubertät als Gefahr (wie soll das Kind denn Abi machen wurde ich gefragt als mein Sohn 6 Jahre alt war und lieber auf Bäume kletterte als SYSTEMATISCH Mathe oder Deutsch zu lernen), denn so ein Kind erscheint nicht steuerbar.
    Die Konflitke, die das Kind dann natürlicherweise mit der Gesellschaft hat, zeigen sich zuerst an deren Repräsentanten: den Eltern und Lehrern. Damit ist dann auch schnell klar, dass freie Schulen oder Freilernfamilien kritischer betrachtet werden.
    Während in der etablierten Schullandschaft kindliches Versagen oder Unglück als „so ist das nunmal“ oder „Nebenwirkung“ kommentiert werden, gilt es als individuelles Versagen, wenn ein Freilernerkind nicht im vergleichbaren Alter wie andere perfekt lesen und schreiben usw. kann.
    Wäre das selbe Kind an einer staatlichen Schule gescheitert, würde man kein Wort darüber verlieren….
    sondern es auf den Verfall der schlecht motivierten Jugend allgemein schieben, die nur Handyspiele spielt und arbeitsscheu ist.
    Außerdem ist nicht schule allein ein Einflussfaktor – auch das ganze Konsumgehabe beeinflusst das Kind – ein freies Kind ist auch frei von dieser“Konsumpflicht“ und dem WEttbewerb über gekaufte Spielsachen sich ausdrücken zu müssen. Unsere freien Schulen kranken teilweise eben auch daran, denn sie können nicht als kleine Insel die gesamte habgierige destruktionsenergie der Gesellschaft heilen, mit der sich das konventionelle System bestens arrangiert hat.
    Dass man sich als Mensch kümmern muss, ist in freien Lernumgebungen noch mehr gefordert als bei „Bildungsautomaten“, „die ihr Ding runterreißen“.
    Diese Perspektive muss man einer Staatsschulfamilie erstmal bewusst machen. Und vor allem die Kinder fragen, ob sie damit glücklich sind…

    Ich habe selbst einen Jungen betreut im offenen Technikangebot im Freizeitbereich – er aber auch andere Kinder haben teilweise die Schule gemieden, sind in den Bereich, wo sie sich eigenständig naturwissenschaftlich-technisch bilden und vor allem ausprobieren konnten, „geflüchtet“.
    Sie haben ihre Schulpflicht als Mittelding von „kostenlosem Allgemeinbildungsangebot“ und nerviger Bringpflicht erlebt – sind beide weit ihrem Alter voraus in technischen Belangen und Wissen darüber, könnten sich im Prinzip selbständig machen und haben Jobangebote vor dem mittleren Schulabschluss bekommen und nutzen ihre technischen Fertigkeiten für die Realisierung kultureller oder sozialer Angebote oder gar auf Forschungsreisen oder dem Aufbau neuer Lernorte.

    • Danke dir (?) für deinen ausführlichen Kommentar! Viele viele ansprechende und nachdenkenswerte Dinge sprichst du an! Wie viele Kinder werden täglich an den Schulen an ihrem geistigen, körperlichen und seelischen Wachstum gehindert! Ich muss es so hart sagen: Es ist ein Verbrechen an den Kindern! Ausnahmen bestätigen die Regel. Es gibt sicher auch einige wenige Lehrer, die die Sache mit Schule durchschaut haben und Schutzräume bieten. Das gelingt meist nur im Grundschulalter, wo es noch mehr Spielräume gibt….

      Leider kann ich nur kurz antworten. Haben im Moment auf Reisen kaum Internetverbindung…..

      Würd mich aber auf weitere Kommentare und Hinweise freuen!
      Was könnten wir noch verbessern auf unserer Seite? Ich freu mich auf konstruktive Kritik!
      Könntest du uns auch etwas erzählen, wie du auf diesen Weg gekommen bist? Wäre interessant! Liebe Grüße und gute Zeit! Christian.

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